Informationen zu Wald als CO2-Senke, aktuellem Waldzustand, Aufforstung, Nutzwald, Mischwald, Naturwald, Holzwirtschaft, Holzhausbau usw.

(aktualisiert am 23.10.2020)


Ein junge Kiefer speichert bei ihrem Wachsen während der ersten 10 Jahre nur bis zu 40 kg CO2, ab dem 20. Jahr sind da bis zu 400 kg CO2 geworden, ab dem 30. Jahr steigt das auf bis zu 2 t CO2 und ab dem 40. Lebensjahr kann (bei entsprechenden Klimabedingungen) mit einer CO2-Bindung von bis zu 5,7 t gerechnet werden. Die Eiche ist vergleichsweise im Alter ab 40 Jahren ein um ca. 30% und die Buche sogar ein um ca. 40% besserer CO2-Speicherer. Fichte, Tanne und Douglasie liegen dagegen um ca. 12% schlechter als die Kiefer. (Das heißt übrigens auch, zur CO2-Kompensation müssten für jeden gefällten über 40 jährigen Baum mindestens 400 dreijährige Bäume nachgepflanzt werden. Oder pro gefälltem Baum müssten min. 50000 Euro Ausgleichszahlung in einen Klimaschutzfonds geleistet werden). 

Die Behauptung im CDU Antrag, die Douglasie binde doppelt soviel CO2 als die Kiefer ist also schlicht falsch. Wahrscheinlich liegt folgendes Missverständnis vor: Die Douglasie wächst in warm-trockenem Klima besser als die Kiefer und bindet so mehr CO2 als eine unter Trockenheit dahinsiechende Kiefer. Soweit man überhaupt wieder den Wald als Nutzwald aufforstet (siehe unten!), sind Douglasien statt Kiefern oder Fichten deshalb zumindest als Bestandteil in einem Mischwald sinnvoll.

Fazit: Ein alter (!) Wald ist, solange man ihn stehen und wachsen lässt und er nicht aus Klimagründen stirbt oder aus wirtschaftlichen Gründen abgeholzt wird, eine hervorragende CO2-Senke und ein prima CO2-Langzeitspeicher.

Aktueller Zustand des Wald deutschlandweit und Nordostniedersachsen

Aufgrund zunehmender Dürreperioden, sinkendem Grundwasserstand, höheren Temperaturen, zunehmendem Windbruch und Schädlingsbefall sieht es im deutschen Wald im Durchschnitt derzeit so aus: Fast 80% der Bäume zeigen Schäden. 25% der Bäume sind bereits tot oder irreparabel geschädigt, so dass sie in den nächsten zwei Jahren eingehen. Allein seit 2017 sind 280.000 ha Wald in Deutschland abgestorben (das entspricht der Fläche des Saarlands). Und das sind nicht nur Fichten sondern z.T. auch Eichen, Buchen und Kiefern. Auch 25 % bis 100 % der Nachpflanzungen sind in den letzten Jahren wieder eingegangen. Auch in Gebieten, wo man früher auf Naturwaldbildung – Nachwuchs aufgrund natürlicher Aussamung – setzen konnte, funktioniert das vielerorts nicht mehr. Statt Nachwuchs beginnt dort bereits Steppenbildung.

Ein Ortstermin in der Nähe von Uelzen (ähnlich sandiger Boden, eher etwas niederschlagsreicher als Celle) und eine in Jeversen mit einem pflanzenkundigen Biologen ergab folgendes. Der Wald besteht dort vorwiegend aus Fichten und Kiefern dazwischen auch wenige Eichen, Buchen und Birken. Praktisch alle Fichten und Kiefern waren bereits stark trockengeschädigt, aber vielleicht durch zwei bis drei aufeinanderfolgende nasse Sommer noch zu retten. Dass dies bei den flach wurzelnden Fichten ein Problem ist, leuchtet bei Trockenheit ein. Doch auch die mit einer Pfahlwurzel tief wurzelnden Kiefern erreichen z.T. nicht mehr das abgesunkene Grundwasser und sind am Verdursten. Auch einige Buchen, Birken und Eichen waren aus diesem Grund schon abgestorben.   

Bei Aufrechterhaltung des Nutzwald-Konzepts wird die CO2-Senke zur CO2-Schleuder

Der derzeit absterbende oder langsamer wachsende Nutzwald nimmt ohnehin viel weniger CO2 auf als in der Vergangenheit. Zusätzlich wird durch das derzeitige Holzüberangebot durch Windbruch, Notfällungen bei Schädlingsbefall und Beseitigung bereits vertrockneter Bäume das Holz für Heizungszwecke preislich wieder attraktiver. Ein großer Teil dieses Holzes wird deshalb verfeuert werden und das gebundene CO2 wird wieder kurzfristig freigesetzt. Besonders klimaschädlich ist in dieser Situation, dass besonders alte, hohe und dicke Bäume noch am besten gewinnbringend zu vermarkten sind. Behält man das bisherige Wirtschaftswald- bzw. Nutzwald-Konzept bei, wird man bei altersgemischten Wäldern zuerst die besonders großen alten Bäumen entnehmen bzw. bei gleichaltrigen Plantagen bevorzugt die mit den alten Bäumen per Kahlschlag flachlegen. Wie es ja z.B. in Bayern vor ca. sechs Monate noch in alten Buchenwäldern des Staatsforsts erfolgte. (Ein Teil davon ist jetzt gegen den Widerstand der Förster – Wald muss Geld verdienen – von der Staatsregierung unter Naturschutz gestellt worden.) Wie weit das geerntete altstämmige Holz dann tatsächlich für langlebige Bauprojekte verwendet wird, die dann 50 Jahre oder länger als CO2-Speicher dienen, ist sehr unsicher. Schlimmstenfalls werden selbst daraus Pellets zum Verheizen.

Die Deutsche Holzwirtschaft – alles andere als nachhaltig

Bis 2019 wurden ca. 60 % des in Deutschlands verbrauchten Holzes importiert (die z.T. widerrechtlich gefällten Bäume stammen vorwiegend aus Sibirien, Weißrussland, Bulgarien und Rumänien; von sog. Edelhölzern aus Südamerika und Afrika ganz zu schweigen). Ein großer Teil dieses importierten Holzes wird inzwischen für angeblich klimafreundliche Heizzwecke verwendet. Selbst bis zu 1 m dicke, importierte Baumstämme wurden so noch in 2016 zu Pellets verarbeitet. Diese Bäume erzeugen dann nicht nur hierzulande CO2 sondern hinterlassen dann in ihrer Heimat eine CO2-Speicherlücke. Denn es dauert dort ja – je nach Klima, in kaltem Klima wachsen die Bäume langsamer – wieder 30 bis 60 Jahre, bis ein Baum nachgewachsen ist, der wieder ähnlich viel CO2 speichert. Wenn dort überhaupt Bäume nachwachsen.

Diese hohe Importquote wird voraussichtlich 2019/20 wegen des heimischen Holzüberangebots für einige Jahre zurückgehen, aber dann wieder hochschnellen.

Weltweit betrachtet ist es also ein Märchen, dass Holz in Deutschland nachhaltig ist. Lokal stimmt es wohl bis ca. 2010, dass in Deutschland weniger Holz geerntet wurde als nachwuchs. Das hat sich aber seitdem durch die Verschlechterung des Waldzustands rapide verändert. Die offiziellen Berichte und Statistiken der Forstbehörden hinken da jeweils um ca. zehn Jahre nach und behaupten das meistens immer noch. Obwohl sie inzwischen zugeben, dass sich der Waldzustand zunehmend verschlechtert, rechnen sie immer noch mit den alten Nachwuchs- und Entnahmequoten.

Die Masse des in Deutschland verbrauchten Holzes wird – neben Heizung – für die Herstellung von Papier, Pappe, Pressspanblatten und Holzfaserplatten verwendet. Wobei Letztere aufgrund der Bindung mit Kunststoffen ökologisch fragwürdig sind.

Bleibt wenigstens durch Holz im Hausbau langfristig CO2 gebunden?

Lässt man die diesbezüglich obskuren Pressspan- und Holzfaserplatten weg, wird Holz derzeit fast nur noch für Dachstühle von Einfamilienhäusern verwendet, größere Gebäude haben Flachdächer oder Dachstühle aus Beton. Auch massive Holzhäuser gibt es extrem wenige, so dass in den offiziellen Statistiken das im Gebäudebau verwendete Holz gar nicht separat erfasst wird. Es dürfte sich derzeit um wenige Prozent handeln. Sieht man davon ab, dass ein Vollnaturholzhaus entweder energetisch suboptimal (wegen des geringen Wärmespeichervermögen) oder extrem teuer, erscheint der Beschluss des Celler Kreistages "mehr klimafreundliche Häuser aus Holz“ zunächst vernünftig.

Problem ist, dass die Masse des dafür nötigen Holzes schon jetzt nicht mehr aus Deutschland stammt. Die beste Bau-Qualität haben nämlich sibirische Fichte und Kiefer, die – da langsamer gewachsen – dichter und fester sind als das deutsche Holz. Würde man jetzt also deutlich mehr Holz zum Hausbau verwenden, würde das entweder aus dem Mehr­einschlag alter Bäume aus Deutschlands sterbenden Wäldern stammen oder aber noch mehr davon aus Sibirien. Das konnte man schon vor Jahren vor Ort im bayerischen Wald verifizieren, wo das größte Sägewerk nicht mehr das örtliche Holz, sondern sibirisches verarbeitet. Das im Bayerischen Wald geerntete Holz geht größtenteils entweder in die Papierindustrie oder als Billigmöbelholz nach China. 

Seltsamerweise glauben selbst viele Natur- und Klimaschützer immer noch an die Klimafreundlichkeit und Nachhaltigkeit der Verwendung von Holz für Heiz und Bauzwecke. Wahrscheinlich liegt das daran, dass die Holzwirtschaft und die meisten noch Nutzwald orientierten Förster und Forstbehörden (die in den meisten Bundesländern auf gewinnorientiertes Wirtschaften festgelegt sind), um ihr Geschäft möglichst lange weiter treiben zu können, nach wie vor  unermüdlich die Klimafreundlichkeit und Nachhaltigkeit von Holz behaupten.

Klimatisch angesagt wäre Naturwald statt Nutzwald

Wird das bisherige Nutzwaldkonzept weiter verfolgt, wird man noch vorhandene gute alte Baumbestände relativ schnell ernten, solange es noch geht. Auch windgeschädigte, schädlingsbefallene oder (halb) abgestorbene Waldbestände wird man relativ schnell den Gesetzen des Nutzwalds folgend durch Kahlschlag ernten. Eine zügige Wiederaufforstung ist allerdings sehr teuer und – wie gesagt – derzeit nicht erfolgssicher.

Wirtschaftlich erfolgsversprechend erscheint allerdings jetzt die Wiederanlage von Monokulturen mit Douglasie. Sie sie ist relativ Hitze und Dürre resistent und leidet derzeit kaum unter Schädlingsbefall. (Daher wohl auch der Douglasien-Begeisterung der CDU-Kreistagsfraktion, die eine Wiederaufforstung mit Douglasien fordert). Allerdings sagen die Experten, dass sich in einer reinen Douglasien-Monokultur aufgrund des schlechteren Mikroklimas die Klimaresistenz verschlechtern wird. Und nach wenigen Jahrzehnten wird auch bei Douglasien der vermehrte Befall mit Schädlingen und Krankheiten da sein.

Bei Neuanlage von Mischwald statt Monokultur ist der Wuchserfolg wesentlich sicherer; als Nutzwald ist er jedoch kurz- und mittelfristig teurer. Berücksichtigt man, dass die derzeitige Holzernte für die Masse der Nutzwaldbesitzer ein Minusgeschäft ist, bietet sich das aus wirtschaftlichen Gründen noch weniger an als eine Monokultur. Auch ein „naturnaher“ Wald der durch Selbstaussamung nachwächst, kostet zwar den Nutzwaldbesitzer unmittelbar nichts, ist aber – wie bereits oben gesagt – wenig erfolgssicher.

Soll der Wald als CO2-Senke, CO2-Speicher, als Wasserspeicher und auch zur Verbesserung des Mikroklimas erhalten werden, schlagen manche Experten die Umwandlung in einen vom Menschen initiierten „Naturwald“ vor. Das heißt, man verzichtet die nächsten Jahrzehnte – überall wo Wälder absterben – komplett auf die wirtschaftliche Nutzung. Wie in ersten Pilotstudien erprobt, holzt man die noch lebenden alten Bäume nicht ab und alle abgestorben Bäume bleiben als Totholz stehen oder liegen. Im Schutze dieses Totholzes (Sonnenschutz, Schutz vor Wind und Austrocknung) pflanzt man dann ausgewählte Bäumchen von sechs relativ klimaresistenten Baumarten an. Die drei bis vier Baumarten, die am Besten zu den lokalen Bedingungen passen, werden gedeihen, die andern werden wieder absterben. Nach 20 bis 30 Jahren steht dann ein Mischwald, dessen Humusschicht durch das vermodernde Totholz verbessert wurde. Wenn sich dann herausstellt, dass im Zuge des Klimawandels bis dahin in diesem Gebiet die Sommer wieder feuchter geworden sind (was z. B. für Norddeutschland nicht auszuschließen ist), könnte dieser „Naturwald“ auch wieder wirtschaftlich genutzt werden.

Die Frage ist nun, welchen Auftrag die - laut Kreistagsbeschluss - für „nachhaltige Waldwirtschaft“ einzustellende Försterin erhält.

Quellen:

„Kohlenstoffstudie Forst und Holz Schleswig-Holstein“, Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt
„Kohlenstoffstudie Forst und Holz Niedersachsen", Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt
„Merkblatt Kohlenstoffspeicherung von Bäumen“, Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft Bayern
„Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2019“, BMEL.
„Basisdaten Nachwachsende Rohstoffe; Land und Forstwirtschaft; Wald“ Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe FNR;
„Bauen mit Holz – Auf die Herkunft kommt es an“ im Magazin für Architektur;
„ROHSTOFFMONITORING HOLZ – Mengenmäßige Erfassung und Bilanzierung der Holzverwendung in Deutschland“ FNR;
„Statistik Holzmarkt“ des BMEL;
„Import von Rohholz nach Deutschland bis 2018“ Statista;
„Klima- und Umweltschutz mit Holz der kurzen Wege“ Bayerische Staatszeitung;
„Holzverbrauch verschiedener Industriezweige“ BMEL;
„Holzbau Deutschland – Lagebericht 2019 Bund“ Deutscher Zimmermeister;
„Holzbilanzen 2013 bis 2015 für die Bundesrepublik Deutschland“ THÜNEN Institut;
„Illegaler Holzeinschlag und Deutschland“ WWF.